Miss Jane Marple zum Beispiel, die in den Büchern als zierliche ältere Dame beschrieben wird (ganz anders also, als die grossartige Schauspielerin Margaret Rutherford, die in den bekannten Krimi-Filmen mit der Ohrwurm-Filmmusik Miss Marple spielt), äussert sich in dem Band: «The Murder at the Vicarage» (Der Mord im Pfarrhaus, veröffentlicht 1930) folgendermassen (Übersetzung von mir):
(S. 65) «Sie lachen, mein Lieber,» sagte Miss Marple, «aber schliesslich ist das eine sehr gute Methode, an die Wahrheit heranzukommen. Es ist in Wirklichkeit das, was die Leute Intuition nennen und so viel Aufhebens darum machen. Intuition ist wie das Lesen eines Wortes ohne es buchstabieren zu müssen. Ein Kind kann das nicht, weil es noch so wenig Erfahrung hat. Aber eine erwachsene Person kennt das Wort, weil sie es zuvor schon oft gesehen hat. Verstehen Sie was ich meine, Herr Pfarrer?
«Ja,» sagte ich langsam, «ich denke ich verstehe. Sie meinen, dass wenn uns etwas an etwas anderes erinnert, - nun, dann ist es wahrscheinlich die gleiche Art von Sache.»
«Genau.»
Ich möchte dazu ein Beispiel anführen, das meiner Meinung nach genau diese Form der Intuition darstellt. Angelika gab in Südafrika als Teil unserer Reise einen Kurs in Tierkommunikation, an dem ich auch teilnahm. Eine Teilnehmerin gab mir eine Fotografie ihres kleinen Hundes, mit dem ich Kontakt aufnehmen sollte. «Intuitiv» schrieb ich auf: «Dieser Hund lässt sich nicht gerne hochheben. ‘Ich bin kein Schosshund!’ Fremde Leute bellt er äusserst heftig an.» Die Besitzerin bestätigte meine Aussagen. Ich bin fast sicher, dass mich das Bild des Hundes unbewusst an Hunde erinnerte, deren Verhalten ich kannte. Die Erinnerung an diese früheren Erfahrungen brachte mich direkt zu diesen Aussagen: Intuition à la Marple.
Allerdings folgten noch weitere Aussagen, die sich grösstenteils auch als richtig erwiesen, und die sich nicht so einfach erklären lassen. Ich denke, dass bei der Intuition der «Marple-Mechanismus» vielleicht den Anfang macht und uns hilft, die telepathische (=fernfühlige) Verbindung zu dem Tier oder der Person aufzubauen.
Jedenfalls schätze ich die sehr rationale Einstellung von Agatha Christie, die in ihren Romanen immer wieder zur Geltung kommt. Sie äussert sich eher kritisch zu spiritistischen Sitzungen und kennt sich auf diesem Gebiet offensichtlich gut aus. Trotzdem ist sie auch offen für das Unerklärliche, wie aus der folgenden Geschichte «The Mystery of the Blue Train” (Das Rätsel des Blauen Zuges, veröffentlicht 1928, Übersetzung von mir) hervorgeht:
In diesem Fall ist es der kleine belgische Detektiv mit dem Eierkopf und dem grossen Schnurrbart, Hercule Poirot, der den Fall aufklärt. Im «Blauen Zug» wird Ruth Kettering, die Tochter des reichen Herrn Van Aldin, ermordet. Hauptverdächtiger ist ihr Mann Derek. Poirot gelingt es aber den wahren Mörder, Richard Knighton, zu entlarven. Eine wichtige Rolle spielt dabei Miss Katherine Gray, eine sehr vernünftige und begehrenswerte Frau.
(S. 183) Katherine sass vollkommen still und sah ihm nach. Derek Kettering und Richard Knighton – zwei so verschiedene Menschen – so sehr unterschiedlich. Da war etwas Freundliches an Knighton, freundlich und vertrauenswürdig. Während bei Derek –
Dann hatte Katherine plötzlich ein sehr eigenartiges Gefühl. Sie fühlte, dass sie nicht mehr alleine auf der Bank in den Gärten des Casinos sass, sondern dass jemand neben ihr stand, und dass dieser Jemand die tote Frau war, Ruth Kettering. Sie hatte den zusätzlichen Eindruck, dass ihr Ruth – dringend – etwas sagen wollte. Der Eindruck war so merkwürdig, so lebhaft, dass er sich nicht verjagen liess. Sie war absolut sicher, dass die Geistseele von Ruth Kettering ihr etwas von höchster Wichtigkeit zu vermitteln versuchte. Der Eindruck verblasste. Katherine stand auf und zitterte ein wenig. Was war das, was ihr Ruth Kettering so unbedingt sagen wollte?
(S. 246/247 Poirot:) «Und nun, Herr Van Aldin, werde ich ihnen etwas sehr Eigenartiges erzählen. Miss Gray ist weiss Gott keine Frau, die sich Dinge einbildet, und doch glaubt sie fest daran, dass sie die Gegenwart Ihrer Tochter eines Tages in den Casino-Gärten von Monte Carlo neben sich spürte, gerade nachdem sie eben ein längeres Gespräch mit Knighton geführt hatte. Sie war überzeugt, sagt sie, dass die verstorbene Frau dringend versuchte, ihr etwas mitzuteilen. Und plötzlich kam ihr zu Bewusstsein, dass, was die Verstorbene ihr sagen wollte, war, dass Knighton ihr Mörder war! Die Idee schien ihr damals so fantastisch, dass Miss Gray zu niemandem davon sprach. Aber sie war so überzeugt von deren Wahrheit, dass sie entsprechend handelte – so weit hergeholt dies auch schien. Sie wehrte Knightons Advancen also nicht ab und gab vor, von Derek Ketterings Schuld überzeugt zu sein.»
«Aussergewöhnlich,» sagte Van Aldin.
«Ja, es ist sehr eigenartig. Man kann diese Dinge nicht erklären.»
Wie Agatha Christie das in ihrem Roman richtig darstellt, muss man kein Medium sein, um Verstorbene spontan wahrzunehmen. Um allerdings mitzubekommen, was sie allenfalls mitteilen wollen, dazu braucht es in der Regel Anleitung und viel Übung. Angelika Güldenstein wird ab Januar 2026 eine neue Gruppe von 8 bis 12 Interessierten in die Medialität einführen. Unsere von langjähriger Erfahrung getragene Ausbildung geht sorgfältig auf die individuellen Bedürfnisse der Teilnehmenden ein, ist bodenständig und offen für das Unerklärliche – wie Agatha Christie …
Eine gute Idee, wie sich Intuition und Medialität anfühlen, können Sie bei dem amerikanischen Medium Lou Ann Beecher bekommen, die im Juni bei uns sein wird.
Und natürlich haben wir noch viele andere spannende und lehrreiche Vorträge, Workshops und Kurse im Angebot, wie Sie anschliessend sehen können. Melden Sie sich so bald als möglich an, dann können wir sie persönlich informieren, falls sich Änderungen ergeben sollten.
Wir haben den schönen Monat Mai vor uns, und wir wünschen Ihnen eine Blüten- und Farbenreiche Zeit.
Für das Amanar-Team
Matthias Güldenstein